Abwrackprämie

Jetzt höre ich immer „Abwrackprämie, Abwrackprämie!“ Und die einen finden: Ohne die geht’s gar nicht! Und die anderen finden: Das geht gar nicht! Ich kann diesen Streit nicht verstehen. Abwrackprämie – das ist doch eine gute Idee. Es muss nur richtig gemacht werden – nämlich so:

  1. 100 % Abwrackprämie kriegt, wer sein Auto abschafft und sich kein neues zulegt.
  2. 50 % Abwrackprämie kriegt, wer sein Auto abschafft und sich ein neues ohne fossilen Verbrennungsantrieb zulegt, das eine geringere Leistung (nämlich wenigstens 20 % weniger) als sein bisheriges hat.
  3. 25 % Abwrackprämie kriegt, wer sein Auto abschafft und sich einen neuen Benziner oder ein Gasauto entspr. mindestens Euro-Norm 6 zulegt, mit einer geringeren Leistung (nämlich wenigstens 30 % weniger) als sein bisheriges.

Der eine oder die andere wird jetzt sagen: Aber das ist doch keine Förderung der Automobilindustrie! Das ist dem Grunde nach zutreffend und erst recht angemessen. Der Klimawandel macht es unausweichlich erforderlich, dass wir die Zahl der Autos auf unseren Straßen drastisch verkleinern. Die Grünen Ba-Wü haben z.B. in ihrer Programmatik das Ziel aufgestellt, den Autoverkehr im Land bis 2030 insgesamt um 33 % und in den Städten um 50 % zu reduzieren. Wie soll das jemals erreicht werden, wenn der Erwerb eines eigenen Autos weiter gefördert wird?

Ein weiterer Einwand könnte sein: Der deutschen Automobilindustrie hilft das schon gar nicht. Das stimmt auch. Die Ursache: Die Automobilindustrie hierzulande hat sich in der Beibehaltung herkömmlicher Verbrennertechnologien eingegraben. Jetzt hängt sie beim Umsteuern auf potentiell umweltfreundlichere Antriebsarten gegenüber vielen Konkurrenten in der EU hinterher. Das darf man doch nicht auch noch mit öffentlichen Fördermaßnahmen belohnen. Vielmehr muss der Veränderungsdruck deutlich erhöht werden. Es kommt hinzu, dass besonders die deutsche Automobilindustrie ein Vorreiter bei der permanenten Leistungssteigerung bei Neuwagen ist. Das bewirkt einen sog. Rebound-Effekt: Die geringere spezifische Umweltbelastung der Neufahrzeuge (wenn sie nun nicht gerade nur zusammengeschwindelt ist), wird durch Leistungssteigerung überkompensiert, so dass im Ergebnis eine höhere faktische Umweltbelastung herauskommt. Leistungsreduzierung ist damit dringend angesagt.

Die Devise heißt: Umsteuern
Das erreicht man nicht, indem man mal kurz zum Anhalten rechts ranfährt und danach mit Vollgas in die alte Richtung weiterbrettert.

 

 

Bildnachweis:
1. dpa
2. Kraftfahrtbundesamt