AG Wir haben genug – Der drohende Kollaps

Die Kernfragen unseres Wirtschaftssystems

Was wir uns nicht mehr leisten können

Viele merken, dass vieles in unserer Welt auf der Kippe steht. Doch wenn wir weiterleben wollen, kann es dann ein „Weiter so“ geben? Das Weltwirtschaftssystem verbraucht jetzt schon jährlich ein Vielfaches dessen, was unser Planet ökologisch erneuern kann. Das ist ein Irrsinn. Die Übernutzung dessen, was unsere Erde hergibt (Ressourcen) hat uns zu zwei dramatischen ökologischen Krisen geführt:

  • Die Klimakrise: Unser Wirtschaftssystem bringt es mit sich, dass derzeit jährlich bei weitem mehr verbraucht wird, als die Erde verkraftet, insbesondere bei CO². Laut den Klimawissenschaftlern sind wir auf diese Weise unterwegs zu einem globalen Temperaturanstieg von mindestens 4o°C noch in diesem Jahrhundert. Jährlich neue Rekordtemperaturen, Dürren, Großbrände, Überschwemmungen, immer schnellere Eisschmelze zeugen jetzt schon davon. Ohne schnelle Umkehr bedeutet diese Entwicklung den sicheren Tod von Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen innerhalb von 1 – 2 Generationen.

  • Die Naturkrise: Bedingt durch die immer weiter steigende Nutzung und Übernutzung natürlicher Ressourcen sind von geschätzten 8 Millionen Lebewesensarten weltweit 1 Millionen Arten vom Aussterben bedroht. Aber auch der Rückgang in absoluten Zahlen ist horrend: Zwischen 1970 – 2016 ging der Bestand der Land-Wirbeltiere weltweit um 68% zurück, der Rückgang der Insekten- und Fischbestände ist ähnlich katastrophal. Die einzigartige Artenvielfalt (Biodiversität) ist nie wieder zurückzuholen. Auch der Corona-Ausbruch wird von vielen Wissenschaftlern auf unseren Umgang mit der Natur zurückgeführt. Das alles hat unabsehbare Folgen für uns alle.
Artenvielfalt als Grundlage für ein gesundes Gleichgewicht im Ökosystem

Die Konsequenz

Eigentlich ist es so einfach wie bei einer Haushaltskasse: Man kann nicht mehr ausgeben als das, was drin ist, bzw. was immer wieder reinkommt. Zumindest nicht auf Dauer. Also gegebenenfalls: kein neues Auto, kein Urlaub im ferneren Ausland, kein…, sondern etwas zurückfahren und sich begnügen mit dem, was wir wirklich brauchen (Grundbedarf). Genauso ist es mit der Menge der Ressourcen, die sich weltweit im Laufe eines Jahres erneuern können. Werden mehr Ressourcen verbraucht, spricht man von Erdüberlastung. Der Tag, an dem die Überlastung erreicht ist, nennt man Erdüberlastungstag (Earth Overshoot Day). Einen solchen Tag, ab dem der jährliche Verbrauch die global nachwachsenden Ressourcen übersteigt, die die Erde erneuern kann, gab es anfangs der 60er Jahre noch gar nicht, 1970 war es der 29.Dezember, 2019 bereits der 29.Juli (in Deutschland schon der 3.Mai!).

Daraus ergibt sich, dass wir nicht mehr verbrauchen können, als das, was nachwachsen kann (Das ist die Definition von Nachhaltigkeit). Da bei heutiger Produktion der Erdüberlastungstag bereits im Sommer (Frühjahr für Deutschland) erreicht ist, bleiben nur zwei Möglichkeiten:

Möglichkeit A: dieselbe Menge an Gütern und Dienstleistungen zu erwirtschaften wie heute – aber mit entsprechend geringerem Ressourcenverbrauch (effizienter). Dies könnte jedoch bald an seine Grenzen stoßen.

Möglichkeit B: die Produktionsmenge entsprechend zu verringern, d.h. nur noch so viel herzustellen, bis die Versorgung aller, mit dem, was sie brauchen, gewährleistet ist. Das Problem dabei ist, das „was sie brauchen“. Denn wenn jeder dasselbe zu brauchen glaubt wie heute, ist in der Summe kein Problem gelöst.

Um einen Zustand des stabilen Gleichgewichts in der Wirtschaft, d.h. des nachhaltigen Wirtschaftens zu erreichen (eine „Steady-State-Wirtschaft“), haben Wirtschaftsökonomen aufgezeigt, dass nur noch ein Verbrauch von 10% der derzeitigen Nutzung der Ressourcen möglich ist.  (Friedrich Schmidt-Bleek, Herman Daly, in: Bruno Kern „Das Märchen vom grünen Wachstum“)

Setzen wir voraus, dass wir als Menschheit überleben wollen: Wir müssen weg von dem Wirtschaftsmodell des ewigen Wachstums, des immer mehr, hin zu einem Zustand, der mindestens ein Gleichgewicht erhält – besser noch, immer weniger verbraucht.

Wir fragen uns:

  1. Welche Konsequenzen hätte das konkret?
  2. Wie wären diese Ziele zu verwirklichen?
  3. Muss oder kann ein „allgemein verbindlicher“ Grundbedarf festgestellt werden?

Bildnachweis:
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Nach der Corona-Krise: weiter so wie gehabt?

  • Weiter mit der stetigen Erwärmung des Klimas – was uns ein erträgliches Leben verunmöglichen wird?
  • Weiter mit dem Artensterben, das die Natur, von der wir leben, aus ihrem sensiblen Gleichgewicht bringt?
  • Weiter mit dem Stress und der Hektik, den menschenverachtenden Bedingungen in der Arbeitswelt?
  • Weiter mit den wenigen Superreichen, die nicht mehr wissen, was sie mit ihrem Geld anfangen können – und den vielen, die in die Armut abrutschen und den Armen, die immer ärmer werden?.

In unregelmäßigen aufeinanderfolgenden Beiträgen, wollen wir von der AG „Wir haben genug“ attac Stuttgart verschiedene Aspekte der aktuellen Problematik aufgreifen und zur Diskussion stellen. Beteiligt euch. Mischt euch ein.

Eine andere Welt ist möglich!